Interview VRP und CEO

Benedikt Goldkamp, Executiver Präsident des Verwaltungs­rates und Dr. Rochus Kobler, CEO, beant­worten Fragen zu Erfolgen und wichtigen Ent­wick­lungen.

1|06|Die Aussichten
2|58|US Zollpolitik
3|105|Überzeugende Industriesparten
4|145|Die grössten Marktchancen
5|184|Profitabilität im Focus
6|218|Weltweit flexibel
7|249|Ölkrise als Chance
8|288|Mit KI Muster erkennen
9|359|Markteinführung von Spitalbetten
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Der Umsatz der Phoenix Mecano-Gruppe ist 2025 zurückgegangen. Wie beurteilen Sie die Aussichten für 2026?

Dr. Rochus Kobler2025 war ein herausforderndes Jahr für Phoenix Mecano. Eine schwache Industriekonjunktur in Europa und neue US-Zölle haben das Umfeld erheblich belastet. Trotzdem hält sich der Umsatzrückgang in engen Grenzen. Das zeigt, wie resilient unser Geschäftsmodell ist, vor allem in herausfordernden Zeiten. Für 2026 sehen wir erste leichte Erholungstendenzen, eine Stabilisierung der Auftragseingänge und eine höhere Book-to-Bill-Ratio. Hingegen rechnen wir nicht mit einer sprunghaften Verbesserung und Erholung. Aber wir wissen, wir sind bereit für den nächsten Aufschwung.

Die US-Zollpolitik hat 2025 die Entwicklung der Sparte DewertOkin Technology Group belastet. Wie reagiert Phoenix Mecano darauf?

Dr. Rochus KoblerDas Jahr 2025 hat uns wiederum gezeigt, wie schnell und direkt geopolitische Entscheidungen unsere globalen Wertschöpfungsketten beeinflussen können. Das hat vor allem unsere DewertOkin Technology Group gespürt. Wir haben schnell und konsequent reagiert. Wir haben Produktionskapazitäten in Vietnam ausgebaut, unter anderem neue Produktlinien lanciert. Und wir haben ebenfalls weiterhin unsere vertikale Integration gestärkt. Unser Ziel ist es, damit unabhängiger zu werden und unsere Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern.

«Unser Focus liegt ganz klar auf der Profitabilität.»

Dr. Rochus Kobler
CEO

Gab es 2025 positive Überraschungen?

Dr. Rochus Kobler Durchaus gab es positive Überraschungen. So ist die Sparte Enclosure Systems beispielsweise sehr profitabel durch das schwierige Jahr gekommen. Dank ihren speziellen Anwendungen und Lösungen für explosionsgeschützte Umgebungen oder Medizintechnik und schliesslich auch Mensch-Maschine-Schnittstellen im Bereich der industriellen Automatisierung. Und auch die Sparte Industrial Components hat überzeugt. Dank einer dynamischen Entwicklung im Bereich Measuring Technology konnten wir die Profitabilität deutlich steigern.

In welchen Geschäftsbereichen sehen Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Marktlage die grössten Chancen?

Dr. Rochus Kobler Die grössten Chancen sehen wir in unseren globalen Nischen, die von strukturellen Wachstumstrends getrieben werden. Namentlich industrielle Automatisierung und Digitalisierung oder auch die Elektrifizierung. So bieten wir zum Beispiel mit der Sparte Enclosure Systems Spezialgehäuse für die Elektromobilität. Und mit Measuring Technology bieten wir modulare Lösungen zum Ausbau der Smart-Grid-Infrastruktur oder auch der Infrastruktur von Data-Centern.

Phoenix Mecano will schlanker und effizienter werden und die Profitabilität steigern. Welche konkreten Massnahmen sind geplant?

Dr. Rochus Kobler Unser Fokus liegt ganz klar weiterhin auf der Profitabilität. Wir wollen unsere Mittelfristziele erreichen. Dazu bauen wir unsere führenden Positionen in den globalen Nischen aus. Da, wo wir wachsen und Geld verdienen können. Weiterhin werden wir unser Portfolio überprüfen und gegebenenfalls straffen.

Der weltweite Handel steht durch Zölle und geopolitische Spannungen unter Druck. Was bedeutet das für ein global aufgestelltes Unternehmen wie Phoenix Mecano?

Benedikt Goldkamp Phoenix Mecano verfügt über ein weltweites Netzwerk von Fertigungsstandorten, die alle über kritisches Know-how und Equipment verfügen. Verschiebungen zwischen diesen Standorten sind für uns Standardgeschäft. Das kann einige Monate, in manchen Fällen auch 1 bis 2 Jahre dauern. Fairerweise muss man sagen, das kann auch mit Doppelspurigkeiten und entsprechend erhöhten Kosten verbunden sein. Allerdings können die über ein adäquates Pricing dann auch an den Markt weitergegeben werden.

Welche Auswirkungen haben der Krieg im Iran und die Blockade der Strasse von Hormus auf Phoenix Mecano?

Benedikt Goldkamp Das ist natürlich die 100.000-Dollar-Frage. Je kürzer dieser Konflikt dauert, desto besser für die Weltwirtschaft. Wir werden es wie alle anderen Marktteilnehmer genau beobachten und gegebenenfalls mit erhöhten Lagerbeständen und auch mit Verschiebungen von Produktionskapazitäten reagieren. Die erdölproduzierenden Länder, die nicht von diesen Logistikrouten an der Strasse von Hormus abhängig sind, werden ihre Kapazitäten erhöhen müssen. Und das kann wieder Investitionen nach sich ziehen, die am Ende auch für Phoenix Mecano ein Zusatzgeschäft bedeuten können.

«Die künstliche Intelligenz bietet Phoenix Mecano die Möglichkeit, ihre Prozesse und die Gestaltung ihrer Produkte zu verbessern.»

Benedikt A. Goldkamp
Exekutiver Präsident des Verwaltungs­rates

Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Phoenix Mecano im Bereich der künstlichen Intelligenz?

Benedikt Goldkamp Die künstliche Intelligenz bietet Phoenix Mecano die Möglichkeit, ihre Prozesse und die Gestaltung ihrer Produkte zu verbessern. Bei den Prozessen geht es darum, einfache Arbeitsabläufe zu automatisieren und in vielen Fällen auch Muster zu erkennen, die uns beispielsweise die Risikoüberwachung besser ermöglichen. Da kann man zum Beispiel bei der Überwachung des Zahlungsverhaltens von Kunden erkennen, ob in Zukunft möglicherweise Ausfälle drohen. Bei den Produkten ist es so, dass die KI, auch wiederum über die Mustererkennung, es ermöglicht, bei sehr komplexen und umfangreichen Datenmengen Muster zu erkennen. Und eine klassische Anwendung dafür ist beispielsweise unser Sensorbett in China, das wir dort im Markt einführen. Dort sind die Möglichkeiten, KI zu verwenden, auch aufgrund der Affinität der Chinesen zur Nutzung dieser Technologie, sehr gross. Und wir werden das als Pilot nutzen, um weltweit ein Produkt zu entwickeln, was die Gesundheit der Patienten und auch die Produktivität der Pflegenden verbessern kann.

Am Kapitalmarkttag hat Phoenix Mecano ein mit Sensoren ausgestattetes und mit Software verbundenes intelligentes Spitalbett für den chinesischen Markt vorgestellt. Welche weiteren Schritte planen Sie für die Markteinführung und Skalierung dieses Produkts?

Benedikt Goldkamp Zurzeit befinden sich verschiedene Produkte in der Markteinführung. Wir testen verschiedene Konzepte, weil die Technologie ein sehr breites Anwendungsspektrum ermöglicht. Einerseits können wir mit der Technologie Vitaldaten von Patienten sammeln und auswerten und diesen zur Verfügung stellen, ähnlich wie man das heute mit Wearables macht, allerdings muss niemand ein Gerät tragen, wie einen Ring oder eine Uhr, oder sich gar verkabeln lassen. Das ist ein enormer Vorteil. Und die Qualität der Daten ist genauso gut. Auf der anderen Seite bietet die Technologie auch die Möglichkeit für die Betreiber von Infrastrukturen im Pflege- und Spitalbereich, die Produktivität ihrer Pflegenden zu verbessern. Das ist hochattraktiv, weil auch in China die Verfügbarkeit dieser qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr knapp ist.

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